„Frau Birkenfeld, warum braucht guter Strick Erklärung?“
Marianne Birkenfeld von pos.sei.mo spricht im Interview mit 1st-blue über Naturfasern, neue Stricktechnik, die Innatex und die Bedeutung persönlicher Zusammenarbeit mit dem Handel…
pos.sei.mo steht für Strick aus besonderen Naturmaterialien. Wie erklären Sie Menschen, die die Marke noch nicht kennen, wofür pos.sei.mo heute steht?
Wir machen Strick für Menschen, die besondere Materialien spüren möchten. pos.sei.mo steht für hochwertige Strickmode aus Naturfasern, die nicht alltäglich sind und die man sofort auf der Haut merkt.
Unsere Spezialität sind Garnmischungen mit neuseeländischem Possumhaar, Merinowolle, Seide und Kaschmir. Daraus entstehen leichte, wärmende und langlebige Teile, die nicht nach einer Saison wieder verschwinden sollen.
Am Anfang der Marke stand die Begegnung mit einer besonderen Garnmischung aus Neuseeland. Was hat Sie damals so fasziniert, dass daraus eine eigene Marke entstanden ist?
Ich hatte damals eine Strickjacke aus dieser Garnmischung in der Hand und wusste sofort: So etwas habe ich noch nie getragen. Sie war unglaublich leicht, weich und trotzdem wärmend. Das war kein lauter Effekt, sondern eher dieses stille Gefühl: Das ist besonders.
Mich hat fasziniert, dass Merinowolle, Possumhaar und
Seide Eigenschaften zusammenbringen, die man selten in einem Material findet.
Dieses Tragegefühl hat mich nicht mehr losgelassen. Daraus ist pos.sei.mo
entstanden.
Viele Kund*innen denken bei nachhaltiger Mode zuerst an Baumwolle, Leinen oder Recyclingmaterialien. Was macht Ihre Naturfasern aus Ihrer Sicht besonders?
Für mich beginnt Nachhaltigkeit nicht nur bei der Herkunft eines Materials, sondern auch bei der Frage, wie lange ein Kleidungsstück getragen wird. Unsere Garne sind sehr langlebig. Durch die besonderen Eigenschaften des Possumhaars entsteht ein natürlicher Low-Pilling-Effekt, sodass die Teile lange schön bleiben.
Possumhaar ist extrem leicht und wärmt sehr gut.
Merinowolle sorgt für Temperaturausgleich, Seide für eine feine Haptik. Bei
Summit by pos.sei.mo arbeiten wir außerdem mit Kaschmir, weil sich damit
besonders feiner Strick und klare Farben umsetzen lassen. Am Ende sollen
Kund*innen ein Teil anziehen und merken, warum dieses Material anders ist.
pos.sei.mo arbeitet seit einigen Monaten mit einer neuen Strickerei zusammen. Was bedeutet diese Partnerschaft für Sie persönlich und für die Marke?
Für mich war dieser Schritt wichtig, weil wir eine Strickerei brauchen, die unsere Ideen versteht und technisch umsetzen kann. Bei besonderen Garnen reicht es nicht, irgendein Modell zu stricken. Man muss wissen, wie das Material reagiert und wie sich Passform, Gewicht und Griff verändern.
Die neue Partnerschaft bringt Qualität und
Weiterentwicklung wieder enger zusammen. Kurze Wege, direkter Austausch und
gemeinsames Entwickeln machen bei unserer Art von Strick einen großen
Unterschied.
Die neuen Modelle entstehen unter anderem mit Seamless Knitting und Fully Fashion. Was spüren Kund*innen konkret, wenn sie ein solches Strickteil tragen?
Das Wichtigste ist: Es fühlt sich angenehmer an. Seamless Knitting ermöglicht nahezu nahtlose Strickteile. Dadurch gibt es weniger Stellen, die drücken oder stören. Fully Fashion bedeutet, dass die Form direkt im Strickprozess entsteht.
Für Kund*innen heißt das: mehr Bewegungsfreiheit,
weniger Reibung, ein weicheres Tragegefühl und eine gute Passform. Für uns ist
außerdem wichtig, dass diese Techniken den Garneinsatz genauer machen. Es
entsteht weniger Abfall, und das kann sich auch beim Preis positiv bemerkbar
machen.
pos.sei.mo zeigt auf der Innatex Summer Edition vom 18. bis 20. Juli 2026 die neue Kollektion. Was erwartet Händler*innen und Einkäufer*innen am Stand?
Wir zeigen auf der Innatex vor allem, wofür pos.sei.mo steht: besondere Naturfasern, ruhige Entwürfe, gute Passformen und moderne Stricktechnik. Es geht nicht darum, mit möglichst vielen neuen Modellen zu kommen. Mir ist wichtiger, dass Händler*innen verstehen, welche Idee hinter den Teilen steht und warum sie für ihre Kund*innen funktionieren können.
Natürlich zeigen wir neue Modelle und Entwicklungen aus
unseren bewährten Garnqualitäten. Aber wir erzählen auch die Geschichte der
Materialien und erklären, wie die Teile entstehen. Gerade bei einem
erklärungsbedürftigen Produkt ist dieser persönliche Austausch sehr wichtig.
Viele Händler*innen ordern derzeit vorsichtiger. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Ich kann die Zurückhaltung gut verstehen. Händler*innen stehen unter Druck und überlegen sehr genau, was sie sich auf die Fläche holen. Das Ladensterben und die Unsicherheit im Handel gehen an niemandem vorbei.
Für uns heißt das: Wir müssen nicht noch mehr Neuheiten
machen, nur damit etwas neu ist. Wir konzentrieren uns lieber auf Modelle, die
Substanz haben und die sich gut erklären lassen. Wenn Händler*innen
investieren, brauchen sie Produkte, hinter denen sie stehen können.
Gleichzeitig ist aus der Zusammenarbeit mit einem Handelspartner ein exklusives Modell entstanden. Was sagt dieses Projekt über die Arbeitsweise von pos.sei.mo aus?
Dieses Modell ist für mich ein schönes Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn man sich wirklich zuhört. Der Handelspartner kennt unsere Materialien, unsere Passformen und seine Kund*innen sehr gut. Aus diesem Wissen heraus kam eine konkrete Idee. Daraus haben wir gemeinsam ein Modell entwickelt, das exklusiv für ihn entstanden ist.
Ich finde das in der heutigen Zeit besonders wertvoll. Handel muss nicht nur über Preise, Mengen und Liefertermine funktionieren. Es kann auch um Vertrauen, Erfahrung und gemeinsame Produktentwicklung gehen. Für mich zeigt dieses Modell sehr gut, wie pos.sei.mo arbeitet: nah am Handel, nah am Produkt und mit dem Wunsch, nicht einfach Masse zu liefern, sondern etwas Sinnvolles zu entwickeln.
Vielen Dank für das Gespräch!